ZTW beteiligt beim ersten Onlinekurs zu Barrierefreiheit in der darstellenden Kunst

11.06.2018

WissenschafterInnen des Zentrums für Translationswissenschaft der Universität Wien haben im Rahmen des europäischen Projekts „Accessible Culture and Training“ (barrierefreier Zugang zu Kultur und Bildung) einen Onlinekurs zur Barrierefreiheit in der darstellenden Kunst mitentwickelt.

Barrierefreiheit spielt eine immer größere Rolle, auch bei Kulturveranstaltungen. Menschen mit Beeinträchtigungen wollen ebenfalls Musikfestivals oder Theateraufführungen genießen. Oftmals mangelt es Veranstaltern jedoch an dem Hintergrundwissen, um Events für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.

Teilhabe am kulturellen Leben ist ein Menschenrecht

Es wird angenommen, dass 80 Million Menschen in Europa eine Behinderung haben. Die Teilhabe am kulturellen Leben ist ein Menschenrecht. Daher gilt es auch Hindernisse bei der Nutzung des Angebots in der darstellenden Kunst zu beseitigen bzw. dafür zu sorgen, dass diese gar nicht erst enstehen.

Ausbildung zu ExpertInnen für barrierefreie Kulturveranstaltungen

„Bisher gab es keine zertifizierte Ausbildung im Bereich Zugänglichkeit von Kulturveranstaltungen”, sagt Professor Gerhard Budin, Projektleiter am Standort Wien. Ausgehend von einer Ist-Analyse zur Barrierefreiheit und der Definition des Berufsprofils „Experte/ Expertin für barrierefreie Kulturveranstaltungen“ wurde daher im Zuge des Projekts ACT ein Ausbildungsmodell für Hochschulen entworfen, das in den englischsprachigen MOOC „Accessibility to the scenic arts“ (Barrierefreiheit in der darstellenden Kunst) gemündet hat.

Erster Onlinekurs zu Barrierefreiheit

Das Zentrum für Translationswissenschaft der Universität Wien war maßgeblich an der Entwicklung des MOOC-Moduls zum Thema Barrierefreiheit von Veranstaltungsorten beteiligt. Darin wird unter anderem die Zugänglichkeit von Opern-, Theaterhäusern oder Music-Festivals behandelt. “Die Barrierefreiheit von Veranstaltungsorten ist nicht nur auf bauliche Maßnahmen, wie rollstuhlgerechte Aufzüge und Sitzplätze beschränkt, sondern beginnt bereits bei der möglichst zugänglichen Kommunikation der Veranstaltung oder der Beschreibung des barrierefreien Wegs von öffentlichen Verkehrsmitteln zum Veranstaltungsort”, erklärt Barbara Heinisch, die sich in ihrer Dissertation mit Benutzerfreundlichkeit beschäftigt. “Auch der Umgang mit Assistenztieren, wie Blindenhunden, oder die Art der Beschilderung und Beleuchtung zählen zur Barrierefreiheit”, ergänzt Xiaochun Zhang, die das Ausbildungsmodell entworfen hat.

Die von den anderen Partnerorganisationen entwickelten Module geben eine Einführung in die Grundlagen der Barrierefreiheit und die Begriffe der Inklusion, Beeinträchtigung und Zugänglichkeit sowie die relevante Gesetzgebung. Ein Schwerpunkt des MOOC liegt auch auf Dienstleistungen, wie Gebärdensprachendolmetschen, Audiodeskription, bei der die visuellen Inhalte einer Vorstellung oder eines Films für Blinde oder Sehschwache mündlich beschrieben werden oder Untertitelung für Gehörlose und Schwerhörige. Auch die klassische Übersetzung für Personen, die der Sprache der Aufführung nicht mächtig sind, oder vibrierende Stühle, die beispielsweise den Rhythmus der Musik durch Vibrationen widergeben, zählen zu diesen Dienstleistungen.

Viele Menschen profitieren von barrierefreien Veranstaltungen

“Der MOOC soll zeigen, dass Barrierefreiheit bereits vor der Veranstaltung beginnt und nicht mit der Aufführung aufhört”, so Barbara Heinisch. So gelte es, bereits die Informationen auf der Website zugänglich zu gestalten, AkteurInnen wie Behindertenorganisationen möglichst früh einzubeziehen oder die MitarbeiterInnen im Bereich Barrierefreiheit zu schulen. “Services, die zur Barrierefreiheit gezählt werden, sind oftmals auch für andere Menschen nützlich, z.B. Übertitelung bei einer Opernaufführung, wenn man die Sprache nicht gut versteht, möglichst übersichtlich gestaltete Beschilderungen am Veranstaltungsort sowie rutschfeste Matten bei Open-Air-Festivals”, ergänzt die Jungwissenschafterin.

Der auf Coursera seit 11. Juni verfügbare MOOC besteht aus Videos in englischer Sprache, dauert 6 Wochen zu jeweils 2-4 Stunden Arbeitsaufwand wöchentlich. Der Kurs an sich kann kostenlos belegt werden. Die KursteilnehmerInnen können sich nach erfolgreichem Abschluss des MOOC, zum/zur „Experten/Expertin für barrierefreie Kulturveranstaltungen“ kostenpflichtig von der in Österreich ansässigen Ausbildungs- und Zertifizierungsagentur ECQA zertifizieren lassen.

Das zweijährige von Erasmus+ mitfinanzierte Projekt unter Leitung der Universitat Autònoma de Barcelona geht im September 2018 in die Endrunde. Dann werden auch Richtlinien für die Umsetzung von politischen Maßnahmen im Bereich der Barrierefreiheit von Kulturveranstaltungen sowie ein Entwurf für ein Qualitätssiegel vorliegen.

Weitere beteiligte Institutionen sind die Universiteit Antwerpen und die Queen’s University Belfast, die in Österreich ansässige European Certification and Qualification Association, Trànsit, das mehrere spanische Kulturzentren leitet, der belgischen Agentur für universelles Design INTER sowie die Generalitat de Catalunya.

Weiterführende Informationen:

 

 

 


Inhaltliche Ansprechpartnerin:

Barbara Heinisch, MA MA

Zentrum für Translationswissenschaft

Gymnasiumstraße 50

1190 Wien

barbara.heinisch@univie.ac.at