Ilija Trojanow: Nach der Flucht

11.01.2022

Am 15. Dezember 2021 fand am Zentrum für Translationswissenschaft im Rahmen der Vorlesung Einführung in die Erzähltheorie und Stilistik eine Lesung des Schriftstellers Ilija Trojanow und seines bosnischen Übersetzers Naser Šečerović statt. Die beiden lasen aus Trojanows autobiographischem Essay „Nach der Flucht“ und standen den Studierenden für eine eingehende Diskussion zur Verfügung

Ilija Trojanow zählt nicht nur zu den führenden Schriftstellern des deutschen Sprachraums, seine Werke sind zudem in über dreißig Sprachen übersetzt worden. Die Studierenden interessierten sich besonders für die Grenzen der Übersetzbarkeit und für die Freiräume der Übersetzer*innen.

Zum Abschluss wurden einige Exemplare von „Nach der Flucht“ unter den Studierenden verlost.

 

Der S. Fischer Verlag schreibt über das Buch:

»Es gibt ein Leben nach der Flucht, doch die Flucht wirkt fort, ein Leben lang.« Ilija Trojanow ist als Kind zusammen mit seiner Familie aus Bulgarien geflohen, eine Erfahrung, die ihn bis heute nicht mehr los lässt. Virtuos, poetisch und klug reflektierend erzählt Ilija Trojanow von seinen eigenen Prägungen als lebenslang Geflüchteter. Von der Einsamkeit, die das Anderssein für den Flüchtling tagtäglich bedeutet. Davon, wie wenig die Vergangenheit des Geflüchteten am Ort seines neuen Daseins zählt. Was das Existieren zwischen zwei Sprachen mit ihm macht. Welche Lügengeschichten man als Geflüchteter den Daheimgebliebenen auftischt. Und dass man vor der Flucht wenigstens wusste, warum man unglücklich war.
Ilija Trojanow erzählt von sich selbst, zugleich ist er eine exemplarische Figur. So gelingt ihm eine behutsame und genaue Topographie des Lebens nach der Flucht, das existentielle Porträt eines Menschenschicksals, das unser 21.
Jahrhundert bestimmt.

 

 

Ilija Trojanow wurde in Bulgarien geboren und floh als Kind mit seinen Eltern nach Deutschland, wo die Familie politisches Asyl erhielt. Einen großen Teil seiner Kindheit verbrachte er in Kenia. Nach dem Studium in München gründete er den Marino Verlag mit Schwerpunkt auf afrikanischer Literatur und übersetzte einige Werke afrikanischer Autor:innen wie Chenjerai Hove und Tsitsi Dangarembga ins Deutsche. Es folgten ausgedehnte Reisen durch Afrika und Indien, die er auch literarisch verarbeitete. Werkauswahl: In Afrika. Mythos und Alltag Ostafrikas (1993); Die Welt ist groß und Rettung lauert überall (1996); Der Weltensammler (2006); EisTau (2011); Macht und Widerstand (2015); Nach der Flucht (2017); Doppelte Spur (2020). Seine Bücher wurden bisher in 31 Sprachen übersetzt.

Naser Šečerović studierte Germanistik in Sarajevo und ist heute Dozent für neuere deutsche Literatur an der Universität Sarajevo. Er arbeitet außerdem als Literaturübersetzer und Dolmetscher.  Auswahl Übersetzungen ins Bosnische: Barbara Frischmuth, Das Verschwinden des Schattens in der Sonne (2009); Michael Krüger, Das letzte Gebot (Mitübersetzer; 2018); Ingo Schulze, Die rechtschaffenen Mörder (2022); Übersetzung ins Deutsche: Hasan Kikić, Die Provinz im Hinterland (2022).