Presseaussendung: Maschinelle Übersetzung unterstützt den österreichischen EU-Ratsvorsitz

19.07.2018

Künstliche Intelligenz hilft Sprachbarrieren während des österreichischen EU-Ratsvorsitzes in den kommenden sechs Monaten zu überwinden.

Der österreichische EU-Ratsvorsitz bringt nicht nur viele Veranstaltungen, sondern auch Sprachbarrieren mit sich. Um diese Sprachbarrieren zu überwinden, wurde der „EU Council Presidency Translator“, ein maschinelles Übersetzungssystem für den österreichischen Vorsitz im Rat der Europäischen Union 2018, vom Zentrum für Translationswissenschaft der Universität Wien und Tilde, einem führenden europäischen Unternehmen für Sprachtechnologien, entwickelt.

Maschinelle Übersetzung dient der Förderung von Mehrsprachigkeit

Der EU Council Presidency Translator (translate2018.eu) unterstützt OrganisatorInnen, ÜbersetzerInnen, MedienvertreterInnen und BesucherInnen während des EU-Ratsvorsitzes mit maschineller Übersetzung. Maschinell übersetzt werden können Texte, Dokumente und ganze Webseiten in (und aus) vielen Amtssprachen der EU. „Der EU Council Presidency Translator leistet einen wertvollen Beitrag zur erfolgreichen Durchführung des österreichischen EU-Ratsvorsitzes, weil er in einer Phase, in der die Prioritäten der EU-Agenda festgelegt werden, eine mehrsprachige Kommunikation erleichtert“, sagt Achim Braun, Vertreter der Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission in Österreich.

Wie eine Maschine übersetzen lernt

Translate2018.eu macht sich dabei künstliche Intelligenz zunutze. Ein selbstlernendes System aus künstlichen neuronalen Netzwerken analysiert den Kontext eines Satzes und kann so flüssig lesbare Übersetzungen erstellen – fast so, als wären sie von Menschenhand. Der EU Council Presidency Translator wurde speziell auf die Bedürfnisse des österreichischen EU-Ratsvorsitzes abgestimmt und eignet sich am besten für die Übersetzung von Nachrichtentexten. Der EU Council Presidency Translator wurde von Tilde, einem führenden europäischen Sprachtechnologieunternehmen mit Sitz im Baltikum, in Kooperation mit dem Zentrum für Translationswissenschaft der Universität Wien entwickelt.

Warum ÜbersetzerInnen trotzdem nicht ersetzt werden können

„Künstliche Intelligenz ermöglicht rasante Fortschritte im Bereich maschinelle Übersetzung. Vor allem neuronale maschinelle Übersetzung kann in jüngster Zeit für viele Sprachen beeindruckende Ergebnisse liefern. Dennoch darf man nicht vergessen, dass diese Systeme nur so gute Ergebnisse liefern können, weil sie mit einer großen Menge Übersetzungen, die von ÜbersetzerInnen stammen, trainiert wurden“, erklärt Vesna Lušicky, Post-Doc-Forscherin am Zentrum für Translationswissenschaft. "Maschinelle Übersetzung liefert nicht für alle Zwecke, Fachgebiete und Textsorten gleich gute Ergebnisse. Deshalb sind die Übersetzungen teils noch fehlerbehaftet. So kann aus Bundeskanzler Sebastian Kurz schon einmal im Englischen Sebastian Short oder Sebastian Briefly werden. Eine Überarbeitung der maschinellen Übersetzungen, das sogenannte Post-Editing, ist daher oftmals unerlässlich", ergänzt Barbara Heinisch, ihre Kollegin in diesem Projekt.

Maschinelle Übersetzung für die EU und die Trio-Präsidentschaft

Der EU Council Presidency Translator ist eine Kombination aus eTranslation, dem maschinellen Übersetzungssystem der Europäischen Kommission, und einem an den österreichischen EU-Ratsvorsitz angepassten neuronalen maschinellen Übersetzungssystem, das von Tilde entwickelt wurde. „Beide Systeme verwenden die neusten künstlichen neuronalen Netzwerke. Künstliche Intelligenz unterstützt daher die sprachübergreifende Kommunikation bei großen internationalen Veranstaltungen und sorgt damit für eine bessere Verständigung über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg“, erklärt Andrejs Vasiljevs, CEO bei Tilde.

Der EU Council Presidency Translator wurde erstmals während des EU-Ratsvorsitzes Estlands 2017 eingesetzt und im Rahmen des EU Digital Summit im September 2017, an dem 25 europäische Staats- und Regierungschefs teilgenommen hatten, präsentiert. Auch in Bulgarien war das System in den vergangenen sechs Monaten im Einsatz.

Nun gilt es, Österreich beim EU-Ratsvorsitz von Juli bis Dezember 2018 mit maschineller Übersetzung bei hunderten hochrangigen Treffen, Veranstaltungen oder Konferenzen dabei zu unterstützen, Sprachbarrieren zu überwinden und die Schwerpunkte des Rates der Europäischen Union festzulegen.

Der EU Council Presidency Translator ist unter translate2018.eu abrufbar und außerdem Bestandteil des Sprachressourcenportals Österreich.