Forschungsschwerpunkte

Die Forschungsschwerpunkte am Zentrum für Translationswissenschaft sind:

Translation und multilinguale kognitive und technologische Ressourcen

Dieser Forschungsschwerpunkt fokussiert auf den Einsatz von Wissens- und Sprachtechnologien und neuen technischen Medien in translatorischen Handlungsprozessen, wie etwa der computergestützten bzw. maschinellen Übersetzung, der Erstellung, Nutzung und Verarbeitung multilingualer Sprachressourcen und der Gestaltung mehrsprachiger Kognitiver Systeme mithilfe von Terminologien und Ontologien. Untersucht werden u. a. die kognitiven Anforderungen an TranslatorInnen und deren Unterstützung durch Integrierte Systeme, translationsbezogene digitale Forschungsmethoden und -werkzeuge, die Arbeitsabläufe in der internationalen Sprachindustrie sowie die fachsprachliche Kommunikation aus corpusbasierter sowie variationslinguistischer Sicht. Die Arbeit in diesem Forschungsschwerpunkt erfolgt stark interdisziplinär und international vernetzt in enger Kooperation mit der Informatik, Linguistik, Kognitionswissenschaft, mit dem geplanten Austrian Centre for Digital Humanities sowie mit Institutionen und Unternehmen der internationalen Sprachindustrie.

Translation und Rezeption

Die Rezeptionsforschung im Bereich der Translation stützt sich auf translationstheoretische Konzepte, die primär aus funktionalen und kultursensitiven Ansätzen stammen; gleichzeitig lassen sich zahlreiche Anknüpfungspunkte und Querverbindungen zu anderen Forschungsfeldern und Disziplinen zahlreicher Kultur- und Naturwissenschaften herstellen. Im Bereich des Übersetzens geht es dabei vor allem um die Analyse der ideologischen, kulturellen, sozialen, genderspezifischen etc. Wirkung von Texten. Eng verbunden damit ist die Frage, welche Position die Übersetzungen im Gefüge der Zielkultur in der Geschichte und der Gegenwart einnahmen und einnehmen und welche Rolle sie in der kulturellen Produktion spielen. Im Bereich des Dolmetschens steht die Erforschung der unmittelbaren Rezeption und Wirkung von Verdolmetschungen im Vordergrund, sowie die Beurteilung von Qualität durch und die Verstehensleistungen von RezipientInnen.

Im Zusammenhang damit geht es auch um Fragen des Wissenstransfers qua Übersetzen und  Mehrsprachigkeit bzw. Lingua-Franca-Kommunikation. Im Mittelpunkt stehen Untersuchungen zur Ermittlung des Anteils und des Einflusses von Übersetzungen auf die Gestaltung von Wissenstransfer in kulturgrenzenüberschreitender und transkultureller Konstellation. Dabei werden die Wirkungen von Übersetzungen auf die diskursiven Wissenskulturen ermittelt. In Anknüpfung an moderne Netzwerktheorien und die kulturwissenschaftliche Transferforschung werden die Prägungen dieser Wissensbestände durch die translatorischen Prozesse erforscht. Dazu werden die Umgebungsfaktorendes translatorischen Handelns unter translationssoziologischem und institutionellem Aspekt ebenso einbezogen wie historisch und gesellschaftlich geprägte Vorstellungen vom translatorischen Handeln.

Translation – Institution – Gesellschaft

Dieser Forschungsschwerpunkt fokussiert auf translatorische Handlungsprozesse in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontext. Gegründet auf translationstheoretische Konzepte wie die sich historisch wandelnden Translationsnormen, Translationskulturen und das translatorische Handeln unter sich wandelnden soziokulturellen Bedingungen greift diese Forschung insbesondere auf soziologische Theorien, diskursanalytische Ansätze und sozialwissenschaftliche Methoden zurück, um die Stellung, Rolle und Funktion von ÜbersetzerInnen und Übersetzungen sowie DolmetscherInnen und Dolmetschleistungen im konkreten institutionellen Kontext und in der Gesellschaft im allgemeinen zu untersuchen.

Im Bereich des Übersetzens werden u.a. die Vermittlungsprozesse von Übersetzungen in verschiedenen sozialen Feldern, die translatorischen Handlungsbedingungen und -prozesse in der transkulturellen Fachkommunikation sowie sowie im Bereich der literarischen Übersetzungen analysiert. Im Bereich des Dolmetschens mit seiner unmittelbaren handlungspraktischen Einbindung in institutionelle und situative Bedingungsgefüge stellt das translatorische Handeln in Behörden und Gesundheitseinrichtungen zunehmend multi- und transkultureller Gesellschaften ein vorrangiges Aufgabenfeld dar. Die Forschung zu diesem Schwerpunktbereich erfolgt gegenstandsbedingt in enger Kooperation mit relevanten Disziplinen wie den Rechtswissenschaften, der Soziolinguistik und medizinischen Fächern und in interdisziplinär konzipierten Forschungsprojekten.

 Universität Wien 2020 Entwicklungsplan