Erfahrungsberichte

Die Studierenden und MitarbeiterInnen des Zentrums für Translationswissenschaft berichten über ihre Erfahrungen, die sie im Zuge von Studienreisen, der Teilnahme an Konferenzen oder im Studium gesammelt haben.

Das Translating Europe Forum 2017 aus Sicht einer ZTW-Studentin

„New skills, new markets, new profiles“ war der Titel des diesjährigen Translating Europe Forum von 6. bis 7. November 2017 in Brüssel.

Berufsprofile von TranslatorInnen und Chancen und Risiken von maschineller Übersetzung wurden in einer Podiumsdiskussion u.a. von Alexandra Krause (Universität Wien, EMT) (li. im Bild) und Miguel Sevener (BeatBabel) (re. im Bild) diskutiert.

Neugier ist für TranslatorInnen unabdingbar, so Péter Lepahin (Hunnet Ltd.).

Die alljährlich durchgeführte Umfrage zur Sprachindustrie ergab, dass die ÖsterreicherInnen den Entwicklungen in der Sprachindustrie im kommenden Jahr pessimistisch gegenüberstehen.

Beinahe 500 TeilnehmerInnen aus ganz Europa waren am 6. und 7. November beim sogenannten TEF 2017 mit dabei.

Sarah Reuter (li. im Bild) und Joana Philippa Brandtner (re. im Bild) vom Zentrum der Translationswissenschaft der Universität Wien waren ebenfalls beim Translating Europe Forum 2017 dabei.

Dolmetscherinnen dürfen auch beim Translating Europe Forum 2017 nicht fehlen.

Das Translating Europe Forum 2017 in Brüssel stand im Jahr 2017 im Zeichen von „New skills, new markets, new profiles“ und bot für Interessierte aus allen Bereichen der Translation ein spannendes Programm.

Der Grundtenor, der sich durch alle Sessions zog, war die Betonung des Einflusses von maschineller Übersetzung (MT) auf die Arbeit von TranslatorInnen. Die MT habe bereits Eingang in davor von Humantranslation dominierten Bereichen, wie Finanzservices, Lebenswissenschaften, Verteidigung u.ä., gefunden. Für Špela Vintar (University of Ljubliana) wären Basiskenntnisse im Programmieren in manchen Bereichen für TranslatorInnen bereits unverzichtbar geworden. Jaap Van der Meer (TAUS) merkte außerdem an, dass durch die von MT ausgehenden Veränderungen neue Berufsfelder entstünden und vor allem IngenieurInnen, KorrektorInnen, TranskreatorInnen und DatenanalystInnen in Zukunft exzellente Jobchancen hätten.

Doch nicht nur die ExpertInnen auf der Bühne hatten die Möglichkeit sich einzubringen, denn die Journalistin und Moder­­atorin Jennifer Baker lud die Teilnehmenden des TEF 2017 dazu ein, über Twitter Fotos zu teilen und über die Plattform Sli.do an Umfragen teilzunehmen und Fragen zu stellen, die in Echtzeit an die Leinwand projiziert wurden. Dies trug zu dazu bei, dass alle der über 500 Anwesenden stets aktiv mitwirken konnten und sorgte für eine Minimierung der Distanz zwischen den geladenen ExpertInnen und dem interessierten Publikum.

In einem Young Translators Meet-up, für das es einer speziellen Einladung bedurfte, konnten Studierende und AbsolventInnen bereits etablierten TranslatorInnen konkrete Fragen zu ihrem Werdegang stellen und erhielten wertvolle Tipps und Inspiration für ihre eigene berufliche Zukunft. Dies war eine willkommene Chance für die „nächste Generation“, die dabei ist, auf dem Markt Fuß zu fassen.

Die Fähigkeiten und Eigenschaften, die für TranslatorInnen aktuell am meisten Bedeutung haben, sind laut Alexandra Krause (Universität Wien, European Master’s of Translation), Miguel Sevener (BeatBabel), Juan José Arevalillo (Hermes Traduccuiones y Servicios Lingüístico, European Union of Associations of Translation Companies) und Daniel Gouadec (C13 M Training Center) folgende: „process orientation, modesty, visibility, branding, negotiating, proofreading, post-editing, precision, devotion, team spirit, curiosity, baldness, specialization”.

Auch die Schlagwörter Kreativität und Transkreation tauchten in fast jeder Session auf und bilden den Gegenpol zu MT. Transkreation ist, so die weit verbreitete Meinung beim Translating Europe Forum 2017, die Zukunft für Übersetzung im hochpreisigen Sektor, der, wie immer wieder betont wird, vor allem in risikobehafteten Bereichen zu finden ist.

Außerdem wurden einige Projekte und Studienprogramme vorgestellt, zu denen detaillierte Informationen auf den entsprechenden Webseiten eingesehen werden können: MATIM (Master in Multilingual Communication Technology), DigiLing, ESCO, eTransFair uvm.

Rudy Tirry (President, European Union of Associations of Translation Companies) präsentierte die Ergebnisse der Language Industry Survey 2017, an der sich u.a. Firmen, Freelancer und Universitäten beteiligten. Besonders bemerkenswert war dabei, dass die Befragten aus Österreich angaben, eher pessimistisch in Bezug auf die Entwicklungen des Marktes und der Möglichkeiten zu Expansion und Weiterentwicklung zu sein. Die Language Industry Survey 2018 wird ab Jänner 2018 durchgeführt und Interessierte sind zum Mitmachen eingeladen.

Es ist unbedingt zu erwähnen, dass die Dolmetscherinnen, die ins Deutsche, Französische und Englische dolmetschten, einen großen Beitrag zum Gelingen der Veranstaltung geleistet haben.  

Das TEF 2017 war eine wunderbare Gelegenheit für Vernetzung, Austausch und Diskussion. In den zwei Tagen wurde von den aktuellsten Entwicklungen in einer spannenden und sich stetig und rasantem Tempo verändernden Branche berichtet. Man darf definitiv auf das Translating Europe Forum 2018 gespannt sein!

 

Zitate:

Günther H. Oettinger (European Commissioner for Budget & Human Ressources): „Übersetzung schafft Akzeptanz und Vertrauen bei den Bürgern der EU.“

Peter Flade (Senior Advisor, Gallup): „Translators should take calculated risks, use their strengths and be influencers.”

Miguel Sevener: „Competition is a race to the bottom” Alexandra Krause plädiert an dieser Stelle für Teamgeist und Zusammenarbeit zwischen Praxis und Wissenschaft.

Jaap van der Meer: „We experience a shift from people driven translation to data driven translation. It’s a revolution, not an evolution.”

Autorin: Joana Philippa Brandtner

Unterwegs mit der mobilen ZTW-Flüsteranlage

Virtual Visit der Generaldirektion Dolmetschen der EU-Kommission am ZTW

Am 25. April 2017 fand am ZTW wieder eine Virtual Class mit der GD SCIC der EU-Kommission statt. Diesmal fand im Rahmen der pädagogischen Unterstützung des Dolmetschdienstes ein sogenannter Virtual Visit statt. Über eine Videokonferenzschaltung nahm eine SCIC-Beamtin der deutschen Kabine einen Vormittag lang an der Block-Lehrveranstaltung Basiskompetenz Translation B - Dolmetschen unter der Leitung von Karin Reithofer-Winter teil.

Einerseits bekamen die Studierenden Feedback aus Brüssel zu ihren Leistungen in dieser sprachübergreifenden Einführungslehrveranstaltung, andererseits hatten sie auch die Möglichkeit, Fragen zur Arbeit bei der EU zu stellen. Die Studierenden nutzten diese Chance und erhielten wertvolle Einblicke in die Anforderungen an EU-DolmetscherInnen.

Studienreise zur Europäischen Kommission - ZTW@EC 2017

Die ZTW-Gruppe im Rat

Im neuen Europa-Gebäude des Rates

Eine Handvoll ausgewählter Master-Studierender hatte im Jänner 2017 die Chance, die Generaldirektion Dolmetschen der Europäischen Kommission in Brüssel zu besuchen. Während des dreitägigen Studienaufenthaltes durchliefen wir ein dichtes Programm:

Bei der Ankunft in der GD Dolmetschen wurden wir herzlich begrüßt und alle mit einem persönlichen Namensschild ausgestattet, wie sie auch die Mitglieder der Arbeitsgruppen der EC bekommen. Nach einem kurzen Kennenlernen ging es dann auch schon los und wir wurden mit Informationen regelrecht überhäuft – angefangen bei der Vorstellung der beiden GDs Dolmetschen (SCIC und INTE) über ausführliche Informationen zum Akkreditierungstest für DolmetscherInnen bis hin zu einer Videokonferenz mit einer Dolmetscherin des EuGHs und der Vorbereitung auf das Dolmetschen in der stummen Kabine am folgenden Tag. In den Kaffeepausen tauschten wir uns mit der zweiten Gruppe, Studierende aus Leipzig, über unser Studium aus und beim Mittagessen konnten wir mit weiteren Dolmetscherinnen der deutschen Kabine plaudern. Trotz ihrer prestigereichen Arbeit waren alle Dolmetscherinnen sehr zugänglich und aufgeschlossen, erzählten von ihrem Arbeitsalltag und beantworteten geduldig all unsere Fragen zum Akkreditierungstest.

Am folgenden Tag ging es ans Eingemachte – wir durften eine Ministerratssitzung zum Thema Verkehrssicherheit dolmetschen. Ohne eingeschaltetes Mikrofon, versteht sich, doch unserer Nervosität tat das trotzdem keinen Abbruch. Die Sitzung fand im nagelneuen Europa-Gebäude statt, dessen Fassade aus über 3.000 recycelten Fenstern aus ganz Europa besteht. Aber auch innen glänzt es, denn in den Dolmetschkabinen mit jeweils 4 Plätzen gibt es selbstverständlich die neuesten Konsolen sowie zwei Bildschirme, um das Geschehen besser verfolgen zu können, und selbst die Temperatur kann individuell geregelt werden. Wenn das kein Anreiz ist …

Wir verbrachten den ganzen Tag vor den Mikros, dolmetschten ins Deutsche, aus dem Deutschen und aus dem Relais bis uns die Köpfe rauchten. Dolmetscherinnen aus der deutschen Kabine setzten sich immer wieder zu uns und gaben uns konstruktives Feedback zu unseren Dolmetschungen, natürlich mit Augenmerk auf die Hürde, die uns am nächsten Tag bevorstand.

Die wenigen freien Abendstunden nutzten wir selbstverständlich zu obligatorischem Sightseeing und der Jagd nach den besten Waffeln der Stadt.

Gut gestärkt nahmen wir am dritten Tag den Mock Test, einen Probe-Akkreditierungstest, in Angriff. Wir konnten in gestellten Konsekutiv- und Simultanprüfungssituationen unser Dolmetschkönnen unter Beweis stellen und beeindruckten die anwesenden PrüferInnen durchaus mit unseren Leistungen.

Alles in allem war diese Reise natürlich eine tolle Gelegenheit, uns untereinander besser kennenzulernen, aber vor allem hat sie uns gezeigt, dass wir gar nicht so große Angst vor der Arbeit für die EU bzw. dem Akkreditierungstest haben müssen, denn am Ende des Tages sind auch die DolmetscherInnen und PrüferInnen nur Menschen. Also, traut euch!

 

Begleitung: Bettina Coll

Organisation: Karin Reithofer-Winter

Autorin: Martina Tampir


Virtual Class mit der Generaldirektion Dolmetschen der EU-Kommission am ZTW

Am 19. Jänner 2017 fand am Zentrum für Translationswissenschaft die erste Virtual Class mit der GD SCIC der EU-Kommission statt. Im Rahmen der pädagogischen Unterstützung des Dolmetschdienstes wurde über eine Videokonferenzschaltung ein Akkreditierungstest für freiberufliche DolmetscherInnen bei der EU nachgestellt. Mit insgesamt sechs KollegInnen als Jury und RednerInnen der GD SCIC wurde ein Test simuliert, bei dem Studentinnen des ZTW als Kandidatinnen antraten. 

Insgesamt vier Teilprüfungen KONS (2x EN>DE, 2x FR>DE) wurden nachgestellt. Das Interessanteste und Lehrreichste war wohl, dass jeder Leistung eine sehr ausführliche Diskussion der SCIC-KollegInnen über die Beurteilung folgte, die normalerweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, aber von uns live verfolgt werden konnte.

Die Studierenden und Lehrenden (Fatima Awwad, Gregorz Gugulski, Cinzia Hirschvogl, Organisation: Karin Reithofer-Winter) bekamen so einen einzigartigen Einblick in die Bewertungskriterien beim Aufnahmetest beim SCIC.

Im Sommersemester wird es wieder eine Virtual Class geben.


Eindrücke von ZTW-Studierenden vom Translating Europe Forum 2016 in Brüssel

Vom 26. bis 28. Oktober veranstaltete die Europäische Kommission in Brüssel bereits zum dritten Mal das Translating Europe Forum zum Thema Übersetzung und Technologie. Unter 600 TeilnehmerInnen befanden sich nicht nur VertreterInnen der EU- und nationalen Organisationen, Universitätslehrende und Studierende des Faches, sondern auch ÜbersetzerInnen aus ganz Europa sowie Unternehmen aus der IT-Branche. Auch der Lehrstuhl des ZTWs war hoch vertreten durch Prof. Dr. Alexandra Krause, ZTW-Repräsentantin des European Master Translation sowie durch Herrn Prof. Dr. Gerhard Budin, der auch einer der Vortagenden war. Insgesamt gab es 16 Vorträge und Workshops, die von 54 Vortragenden gestalten waren mit dem Ziel, das Bedürfnis nach Zusammenarbeit von Mensch und Maschine hervorzuheben.

Nach einem netten Empfang verteilten sich die TeilnehmerInnen auf drei Konferenzräume, um sich den Vortrag zu dem für sie am spannendsten Thema anzuhören. Es gab stets die Möglichkeit, sich aktiv zu beteiligen, Fragen zu stellen und seine eigene Sicht zu äußern. Zwischen einzelnen Veranstaltungen konnte man sich in Kaffeepausen mit KollegInnen austauschen und neue Kontakte knüpfen. Dies war nicht nur eine gute Gelegenheit, um etwas Neues über unsere Branche zu lernen, sondern auch mehr über die Vorhaben der IT-Unternehmen in Zusammenhang mit der Gestaltung der maschinellen Übersetzung zu erfahren.   

Am Ende des ersten Tages begrüßte der Generaldirektor der DG Translation, Rytis Martikonis, die Studierenden zu einem Treffen, bei dem es besonders darum ging, Erfahrungen mit und Erwartungen an das EMT-Programm zu teilen. In Rahmen einer aktiven Diskussion wurde klar, dass die Einführung eines Pflichtpraktikums ins Curriculum eine große Bedeutung für die zukünftige Berufsausübung hat.

Dieser Abend war für uns beide ein Highlight, da wir uns von den Organisatoren sehr willkommen fühlten, besonders von Herrn Martikonis Einladung, sich für uns Studierende so viel Zeit wie nötig zu nehmen.  

Was wir aus dieser Konferenz mitnehmen, ist die Gewissheit über die ständige Veränderung unseres Berufes, vor allem in Hinsicht auf die Technologien. Somit wurde uns bewusst, dass maschinelle Übersetzung nicht Zukunft, sondern bereits unsere Gegenwart ist. Folglich sollte man sich schon im Studium früh genug in CAT-Tools einarbeiten und gegenüber kommenden Neuerungen aufgeschlossen sein. Somit wäre es zum Beispiel sinnvoll, während des Studiums kostenlose CAT-Tool-Lizenzen für den eigenen Gebrauch zur Verfügung zu stellen, damit Studierende später im Beruf schon mit dem jeweiligen Programm vertraut sind und sich für die weitere Nutzung entscheiden.  

Wir sind froh, als Studierende des ZTW an der Konferenz teilgenommen zu haben und für uns die Aufgeschlossenheit gegenüber maschineller Übersetzung gewonnen zu haben – auch wenn wir davon überzeugt sind, dass ein Mensch nie mit einer Maschine ersetzt werden kann. Daher, liebe ZTW-Studierende, übersetzt brav weiter und habt ein offenes Auge für neue Technologien. 

Autorinnen: Borbála Eke und Sandra Pasarić