Erfahrungsberichte

Die Studierenden und MitarbeiterInnen des Zentrums für Translationswissenschaft berichten über ihre Erfahrungen, die sie im Zuge von Studienreisen, der Teilnahme an Konferenzen oder im Studium gesammelt haben.

Präsentation des Sprachressourcenportals Österreichs

Das Zentrum für Translationswissenschaft war an der Entwicklung des Sprachressourcenportals Österreichs beteiligt, das am 22. Juni präsentiert wurde.

Sprache und vor allem Sprachbarrieren spielen auch bei der EU-Ratspräsidentschaft eine Rolle. Da Österreich am 1. Juli 2018 den EU-Ratsvorsitz von Bulgarien übernehmen wird, war es ÜbersetzerInnen in der öffentlichen Verwaltung ein Anliegen, den Organisationsteams und SprachmittlerInnen des österreichischen EU-Ratsvorsitzes, Hilfsmittel für die Kommunikation auf Englisch zur Verfügung zu stellen. Zu diesen Hilfsmitteln zählen Sprachressourcen, wie Glossare oder Textsammlungen, die auf dem Sprachressourcenportal Österreichs zu finden sind.

"Das Sprachressourcenportal ist einzigartig in Österreich. Es ist Ausdruck der gebündelten Kompetenz von Translatorinnen und Translatoren im öffentlichen Dienst", so Hanna Risku, stellvertretende Leiterin des Zentrums für Translationswissenschaft.

Zu den Hilfsmitteln bzw. Sprachressourcen, die auf dem Portal verfügbar sind, zählen ein Glossar zur österreichischen Verwaltungssprache, der Sprach-Guide Englisch EU2018, ein maschinelles Übersetzungssystem für den österreichischen EU-Ratsvorsitz sowie weitere relevante Sprachressourcen. Das Gros der Sprachressourcen wurde unter Leitung des Sprachinstituts des Bundesheeres ausgearbeitet, während das Zentrum für Translationswissenschaft an der Adaptierung des maschinellen Übersetzungssystems für den EU-Ratsvorsitz Österreichs mitgewirkt hat und für die technische Komponente des Sprachressourcenportals verantwortlich ist.

Die erste wichtige Sprachressource, das "Fachglossars Österreichische Verwaltung. Deutsch-Englisch" enthält englische "Übersetzungen" von Namen von Bundesministerien, Gesetzen oder typischen österreichischen Termini, wie Magistrat oder Landesrat. Auch Benennungen wie Urteil, Altersteilzeit oder Bescheid, die auch immer wieder Kopfzerbrechen bei Übersetzungen ins Englische bereiten, sind in diesem Verwaltungsglossar aufgelistet. Besonderer Dank für die Erarbeitung des "Fachglossars Österreichische Verwaltung" galt auch der Arbeitsgruppe Gouvernementaler Übersetzungs- und Terminologiedienste, ARG GUT abgekürzt. Ihr Name ist auch Programm, denn "sie heißen nicht nur ARG GUT, sondern sie sind auch arg gut", so Oberst Nestler, der mit der Leitung des Sprachinstitutes des Bundesheeres beauftragt ist. ARG GUT setzt sich aus SprachexpertInnen, die in der öffentlichen Verwaltung tätig sind, zusammen. Mittlerweile gehören 20 SprachmittlerInnen aus dem öffentlichen Dienst dieser Arbeitsgruppe, an.

Der Sprach-Guide EU2018 ist ein Nachschlagewerk und eine Arbeitshilfe für die Vorbereitung und Durchführung des österreichischen EU-Ratsvorsitzes. Er dient der grundlegenden Kommunikation auf Englisch und soll Organisationsteams bei der Betreuung von Delegierten oder beim Entgegennehmen von Anrufen auf Englisch ein Hilfsmittel sein. Allerdings sind die Einsatzmöglichkeiten des Sprach-Guides vielfältig und reichen von der Verwendung in der Sprachlehre, über ein Recherchemittel bis hin zu transkultureller Kommunikation. Besonders die falschen Freunde und die "cultural pitfalls", die im Sprach-Guide EU 2018 erwähnt werden, sind auch wesentliche Aspekte in der Ausbildung in transkultureller und interkultureller Kommunikation.

Aber nicht nur die Werke des Sprachinstituts des Bundesheeres sind auf dieser Plattform zu finden, sondern auch der vom Zentrum für Translationswissenschaft mitentwickelte EU Council Presidency Translator. Dieser ist ein maschinelles Übersetzungssystem, das auf künstlicher Intelligenz basiert und für den österreichischen EU-Ratsvorsitz in den Sprachen Deutsch und Englisch adaptiert wurde. Maschinelle Übersetzungssysteme, die flüssig lesbare Übersetzungen produzieren, täuschen oftmals darüber hinweg, dass diese Übersetzungen inhaltlich völlig falsch sein können. "Demnach ist es auch uns am Zentrum für Translationswissenschaft ein Anliegen, den künftigen Übersetzerinnen und Übersetzer, die wir ausbilden, den kritischen Umgang mit maschineller Übersetzung zu vermitteln", ergänzte Hanna Risku.

Der EU Council Presidency Translator basiert auf dem maschinellen Übersetzungssystem der Europäischen Kommission. Er wurde für Texte der vergangenen drei EU-Ratspräsidentschaften, und derzeit des österreichischen EU-Ratsvorsitzes, angepasst. Dieses System eignet sich besonders gut, Pressemeldungen zu Themen des österreichischen EU-Ratsvorsitzes aus und in die Sprachen Deutsch und Englisch zu übersetzen. Der EU Council Presidency Translator ist jedoch nur als Hilfsmittel zu verstehen und nicht als vollwertiger Ersatz für Übersetzungen, die von professionellen ÜbersetzerInnen angefertigt wurden. Als reflektiert eingesetztes Hilfsmittel jedoch kann er wertvolle Dienste leisten, Zugang zu Texten ermöglichen, die den Leserinnen und Lesern sonst unerschlossen bleiben würden und kann die Produktivität von ÜbersetzerInnen erhöhen.

Im Bereich "Weitere Ressourcen" auf dem Sprachressourcenportal findet man Links zu Terminologiedatenbanken oder Glossaren sowie Websites, die für den österreichischen EU-Ratsvorsitz relevant sind.

"Die Zusammenführung dieser Produkte auf einem einzigen Portal ist ein erster wichtiger Schritt in Richtung nachhaltiger Nutzung und Öffnung von Sprachressourcen", erklärte Hanna Risku.

Jürgen Kotzian, Leiter der ARG GUT am Sprachinstitut des Bundesheeres, stellte das Sprachressourcenportal Österreichs im Detail vor.

Bei den Gesprächen mit den im Publikum sitzenden Mitgliedern von ARG GUT, Angehörigen des österreichischen Bundesheeres und SprachmittlerInnen wurde klar, dass das Sprachressourcenportal Österreichs auch über den österreichischen EU-Ratsvorsitz 2018 hinaus, ein wertvolles und hilfreiches Portal zur Unterstützung der Kommunikation über Sprachgrenzen hinweg sein wird.

 

Zum Sprachressourcenportal Österreichs

Das Sprachressourcenportal Österreichs ist ein Kooperationsprojekt des Sprachinstituts des Bundesheeres der Landesverteidigungsakademie und des Zentrums für Translationswissenschaft der Universität Wien.

Es ist unter beratender Mitwirkung der Verwaltungsakademie des Bundes und der Diplomatischen Akademie entstanden.

Bericht: Barbara Heinisch

 

 

Das ZTW stellt maschinelle Übersetzung im öffentlichen Dienst beim Sprachenforum in Graz vor

Das diesjährige Sprachenforum in Graz stand im Zeichen von Digitalisierung und Mehrsprachigkeit. Das Thema maschinelle Übersetzung durfte dabei natürlich nicht fehlen.

Maschinelle Übersetzung spielt angesichts der immer größeren Textmengen, die in anderen Sprachen verfügbar sein sollen, eine zunehmende Rolle. Systeme wie Google Translate sind zwar leicht zugänglich und bequem zu nutzen, aber nicht geeignet für die Übersetzung von sensiblen Inhalten. Daher bietet die Europäische Union ein maschinelles Übersetzungssystem für EU-relevante Texte an. Dieses System, genannt eTranslation, ist in den Amtssprachen der EU für öffentlich Bedienstete kostenlos nutzbar. Barbara Heinisch vom Zentrum für Translationswissenschaft stellte das maschinelle Übersetzungssystem der EU, eTranslation, sowie dessen Abkömmling EU Council Presidency Translator – ein Projekt, an dem das Zentrum für Translationswissenschaft beteiligt ist –  im Rahmen des Sprachenforums in Graz am 18 Juni 2018 vor.

Viele TeilnehmerInnen, die in der öffentlichen Verwaltung tätig sind, ließen bereits Texte maschinell übersetzen. Es bestätigte sich, dass maschinelle Übersetzung im beruflichen sowie privaten Alltag angekommen ist. Der aktuellste Trend, die sogenannte neuronale maschinelle Übersetzung basiert auf selbstlernenden Systemen, die auf künstlicher Intelligenz beruhen. Diese werden mit Textsammlungen, sogenannten Korpora trainiert. Diese Korpora können ein- oder zweisprachig sein. Werden zweisprachige Korpora verwendet, sind diese meist bereits vorhandene Übersetzungen aus Menschenhand. Bei der Verwendung der Ergebnisse von neuronaler maschineller Übersetzung sei Vorsicht geboten, gab Barbara Heinisch, als Vertreterin des Zentrums für Translationswissenschaft zu bedenken: „Die Texte lesen sich sehr flüssig und klingen natürlichsprachlich, aber inhaltlich können sie völlig falsch sein“. Die Vortragende gab außerdem zu bedenken, dass Texte, die man mittels Google Translate übersetzen lässt, danach Google gehören und im Web auffindbar sind. Es kursieren Geschichten, dass ÜbersetzerInnen vertrauliche Patente oder Produktbeschreibungen unter Zuhilfenahme von Google Translate übersetzen ließen und diese Texte dann im Internet auffindbar waren.

Nach dem Vortrag „Maschinelle Übersetzung für den öffentlichen Dienst“ und einer kurzen Pause ging es in die Themeninsel-Gespräche. Hier konnten sich die Anwesenden an fünf Tischen zu diversen Themen informieren und austauschen. Eine Themeninsel gab es auch zur maschinellen Übersetzung. Ein Wunsch der TeilnehmerInnen des Sprachenforums, die diese Themeninsel besucht hatten, war, dass den NutzerInnen von eTranslation oder dem EU Council Presidency Translator eine Verlässlichkeitsangabe bzw. ein Qualitätsmerkmal für das Ergebnis angezeigt wird. Ein Hinweis „Das ist von Menschen übersetzt/eine offizielle Übersetzung der EU“ bzw. „Das ist eine maschinelle Übersetzung“ wäre hilfreich. So könnten sie die offiziellen Übersetzungen, die von professionellen ÜbersetzerInnen stammen, bedenkenlos weitergeben während dies bei den maschinell erzeugten Übersetzungen nicht der Fall wäre.

Interessanterweise gaben einige BesucherInnen der Themeninsel „Maschinelle Übersetzung für den öffentlichen Dienst“ an, dass sie Google Translate nur für Sprachen verwenden, die sie zumindest halbwegs verstehen. So können sie erkennen, ob es inhaltlich richtig übersetzt wurde. Bedenklich fanden sie Google Translate für jene Sprachen, in denen sie die Qualität nicht überprüfen können.

Einige Anwesende wollten bereits vorhandene Übersetzungen Google oder eTranslation zur Verfügung stellen, in der Erwartung, dass diese Texte künftig immer genauso übersetzt werden, wie in diesen Übersetzungen. Bei eTranslation gibt es die Möglichkeit, bereits vorhandene Übersetzungen, die von den Beteiligten als qualitativ hochwertig erachtet werden, für das Training der automatischen Übersetzung zur Verfügung zu stellen. So soll das System kontinuierlich verbessert werden. In Europa gibt es daher das sogenannte ELRC-Netzwerk. ELRC steht für European Language Resource Coordination, das sich mit dem Ausfindigmachen, der Sammlung, Verarbeitung und Bereitstellung von Sprachressourcen, d.h. Glossaren, Übersetzungen oder Korpora usw. beschäftigt. Über das ELRC-Netzwerk, das in jedem EU-Staat mindestens zwei VertreterInnen hat, können Interessierte ihre Sprachressourcen zur Verfügung stellen, um damit eTranslation an die lokale Sprache, u.a. österreichisches Deutsch anzupassen.

Weitere Vorschläge der BesucherInnen der Themeninsel zur maschinellen Übersetzung im öffentlichen Dienst waren, unter anderem, auch andere Komponenten bei der Entwicklung von eTranslation zu berücksichtigen, z.B. neue Tools wie iTranslate einzubinden und für Kommunen einzusetzen. Eine andere Idee war, einen MOOC für eTranslation bzw. maschinelle Übersetzung im Allgemeinen anzudenken, bei dem die häufigsten Fragen zur maschinellen Übersetzung beantwortet sowie die Verlässlichkeit der Ergebnisse von sowie die Herangehensweise an den Umgang mit maschineller Übersetzung vermittelt werden.

Es ist erfreulich, dass die TeilnehmerInnen für den Umgang mit maschineller Übersetzung sensibilisiert werden konnten und geplant ist, bei anderen MitarbeiterInnen mehr Bewusstsein für den kritischen Umgang mit maschinellen Übersetzungssystemen zu schaffen.

Bericht und Fotos: Barbara Heinisch

Besuch von ZTW-Studierenden bei den EU-Institutionen in Brüssel 2018

Anfang Juni bekamen 12 Studierende die einzigartige Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der Dolmetschdienste der EU in Brüssel werfen zu dürfen.

„Juhu, wir fliegen nach Brüssel!“ – die Vorfreude über die Teilnahme am Study Visit war bei der Gruppe von 12 Studierenden des ZTW bereits Monate davor riesengroß. Schon war es so weit und wir saßen im Flugzeug Richtung Brüssel. Kaum angekommen in der belgischen Hauptstadt, wurden wir in der ersten Nacht auch schon mit den ersten kulturellen Unterschieden konfrontiert – Temperaturen über 20°C werden dort nämlich als Hitzewelle empfunden und die Klimaanlagen in den Hotelzimmern liefen heiß. Doch was gibt es Schöneres, als für Translations- und KulturexpertInnen diese Verschiedenheiten hautnah erleben (und spüren) zu können?

Montagfrüh ging es offiziell los: Mit unserer Begleitperson Fr. Fatima Awwad wurden wir durch zwei Dolmetscherinnen der deutschen Kabine der Generaldirektion Dolmetschen (SCIC) herzlich empfangen. In ihrem Vortrag erfuhren wir alles rund um den SCIC und dessen Arbeitsweise. Zusätzlich waren noch zwei weitere Dolmetscherinnen anwesend, die uns die Generaldirektion Dolmetschen und Konferenzen (GD LINC) des Europaparlaments sowie den Dolmetschdienst des Gerichtshofs der Europäischen Union vorstellten. Wir fühlten uns sehr gut aufgehoben, denn auch zum Mittagessen begleiteten uns weitere DolmetscherInnen, mit denen wir uns austauschen konnten. Eigens für uns wurde auch ein blinder Dolmetscher zum Mittagessen eingeladen, der uns die Arbeit als Dolmetscher in der GD SCIC aus einer ganz anderen Perspektive schildern konnte. Sie alle stellten sich bereitwillig unseren vielen Fragen und waren sehr aufgeschlossen. Am Nachmittag bekamen wir wichtige Informationen rund um das Testsystem für FreiberuflerInnen und das Aufnahmeverfahren. Im Rahmen des Mock Tests (Simulation des Akkreditierungstests) stellten die Mutigsten unter uns vor der Prüfungsjury ihr Können unter Beweis und bekamen äußerst nützliches Feedback und hilfreiche Tipps. Nach der Testsimulation stand noch ein ganz besonderer Punkt auf der Tagesordnung: ein Treffen im Parlament mit Viviane Ramponi, der Referatsleiterin der deutschen Sprachabteilung. Auch ihr durften wir alle Fragen stellen, die uns durch den Kopf schwirrten.

Am Dienstag wagten wir den Sprung ins kalte Wasser und durften dolmetschen – aber natürlich in den stummen Kabinen, ohne das Mikrofon einzuschalten. Wir hatten die Gelegenheit bei zwei Sitzungen des Europäischen Parlaments (EP) zum Thema Sacharow-Preis (EU-Menschenrechtspreis) bzw. östliche Nachbarschaftspolitik dabei zu sein und versuchten die Beiträge zu dolmetschen. Wieder waren wir in sehr guten Händen und bekamen diesmal von den EP-DolmetscherInnen teilweise Feedback zu unseren Leistungen. Auch in der Mittagspause konnten wir wieder mit DolmetscherInnen plaudern, darunter auch wieder eine eigens für uns eingeladene blinde Dolmetscherin, die nützliche technische Ratschläge für eine Studienkollegin in unserer Gruppe parat hatte.

Mittwochfrüh brach auch schon der letzte Tag unseres Aufenthalts in Brüssel an. Wieder konnten wir in bester Begleitung Praxisluft schnuppern und durften im Ministerrat eine Sitzung zum Thema Forschung und Innovation dolmetschen.

Schweren Herzens, jedoch mit vielen interessanten Eindrücken im Gepäck (und wahrscheinlich mit einigen Kilo mehr auf den Rippen – die Pommes und Waffeln waren einfach zu lecker), brachen wir am Abend wieder zum Flughafen auf. Leider hatte der Flug nach Wien zwei Stunden Verspätung, aber so konnten wir die Zeit noch gut nutzen, um die Studienreise bei persönlichen Anekdoten gemütlich ausklingen zu lassen.

Der Study Visit war eine wunderbare und einzigartige Erfahrung, die uns alle einen Schritt weitergebracht und uns vor allem ermutigt sowie beruhigt hat. Der Besuch bei der EU hat uns gezeigt, dass man weder vorm Dolmetschen außerhalb der Uni, noch vor dem Akkreditierungstest Angst haben muss – mit gezielter Vorbereitung ist es durchaus schaffbar. Eines ist uns nun allen klar geworden: auch DolmetscherInnen bei der EU sind nur Menschen und keine Maschinen.

Bericht: Anna Steiner

Begleitung: Fatima Awwad

Organisation: Karin Reithofer-Winter

Das ZTW beim European Youth Event in Straßburg: Fünf Studierende vertraten das ZTW beim EYE im Europäischen Parlament

TeilnehmerInnen des European Youth Event (kurz EYE) im Europäischen Parlament in Straßburg im Juni 2018.

Beim Informationsstand der ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen des Europäischen Parlaments konnten Interessierte in einer mobilen Kabine dolmetschen ausprobieren.

Die ZTW-Studierenden konnten entweder selbst ihre Dolmetschfertigkeiten testen oder erfahrenen DolmetscherInnen bei der Arbeit beobachten.

Das Europäische Jugend-Event (European Youth Event, kurz EYE) fand zum dritten Mal am 1. und 2. Juni 2018 im Europäischen Parlament in Straßburg statt. 9000 TeilnehmerInnen konnten sich in diesen zwei Tagen über verschiedene Themen austauschen und diskutieren. Die Vorschläge, die dabei entstanden, wurden auch im Anschluss als Bericht an alle Mitglieder des Europäischen Parlaments übermittelt.

Dieses Jahr durften zum ersten Mal Übersetzungs- und DolmetschstudentInnen an dieser Veranstaltung teilnehmen, um einen Einblick in die Arbeit im Europäischen Parlament zu gewinnen. Vom ZTW waren fünf StudentInnen vertreten (zwei von Konferenzdolmetschen, drei von Fachübersetzen). Am Freitag wurden wir gemeinsam mit einem Shuttle vom Hotel zum Parlament gebracht. Nach dem Akkreditierungsprozedere und dem Security-Check konnten wir endlich das Parlament betreten. Wir haben unsere Coaches kennengelernt (DolmetscherInnen und ÜbersetzerInnen der EU), dann ging es für die DolmetschstudentInnen bereits in die stumme Kabine. Wir durften uns in Kabinen im berühmten Hemicycle setzen und konnten der Eröffnungsrede von EU-Parlamentspräsident Tajani lauschen, selbst dolmetschen oder der offiziellen Dolmetschung zuhören. Nach einem Debriefing und gemeinsamen Mittagessen wurde es dann ernst: die erste inoffizielle Dolmetschung bei einem Workshop. Das Thema war das europäische Jahr des Kulturerbes. Wir setzten uns in die entsprechenden Kabinen (Deutsch, Englisch, Französisch – wir waren 9 DolmetschstudentInnen) und schon ging es los. Es hat allen viel Spaß gemacht in diesem Setting zu dolmetschen (Anmerkung: mit der gleichen Anlage wie bei uns am ZTW). Nach dem Debriefing haben wir dann erschöpft den Tag ausklingen lassen.

Am zweiten Tag hatten wir einen ähnlichen Ablauf. Am Vormittag waren wir bei einer Sitzung mit offizieller Dolmetschung zum Sacharow-Preis, dem EU-Menschenrechtspreis. Der kongolesische Gynäkologe Dr. Denis Mukwege und die vom IS-entführte Jesidin Lamija Adschi Baschar, beide PreisträgerInnen, erzählten von ihren Erlebnissen. Am Nachmittag durften wir dann wieder bei einem Workshop, diesmal zum Thema „e-portfolios“, dolmetschen. In den Pausen waren wir auch immer wieder beim Informationsstand der ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen des Europäischen Parlaments vertreten, wo Interessierte in einer mobilen Kabine dolmetschen ausprobieren konnten und uns alle möglichen Fragen stellten. Zusätzlich zu unserem offiziellen Programm wurde für alle TeilnehmerInnen ein breites Rahmenprogramm angeboten.

Das European Youth Event war eine tolle Möglichkeit für uns mit StudentInnen aus anderen Unis in Kontakt zu kommen und uns auszutauschen sowie Konferenzluft zu schnuppern. Das Programm ermöglichte uns einerseits den erfahrenen DolmetscherInnen bei ihrer Arbeit zuzuhören und andererseits selbst für ein Publikum zu dolmetschen.

2020 wird das nächste EYE stattfinden und wir können die Teilnahme sehr empfehlen. Für mehr Informationen: http://www.europarl.europa.eu/european-youth-event/de/home/home.html

Bericht: Elisabeth Krifka und David Rieger

Organisation: Karin Reithofer-Winter

Ein Rundgang mit Flüsteranlage durch die Wiener Leopoldstadt

Samuel Kammermeier führte am 8. Mai 2018 eine Gruppe von Französisch-Studierenden der Lehrveranstaltungen Simultan I (Chantal Niebisch) und Simultan II (Fatima Awwad) durch das ehemalige jüdische Zentrum Wiens.

Bei diesem etwas anderen Dolmetschauftrag für die Studierenden begaben wir uns auf eine spannende und sehr persönliche geschichtliche Spurensuche rund um das Leben und die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung Wiens.
Der Rundgang wird vom Bildungsministerium im Rahmen des Projektes erinnern.at angeboten und wurde ursprünglich für SchülerInnen der 8. Klasse konzipiert. Trotzdem war er durchaus auch für die Studierenden lehrreich.
Im Rahmen der inhaltlichen und terminologischen Annäherung an das Thema, haben  sich die DolmetscherInnen mit folgenden Themen auseinandergesetzt: die Leopoldstadt als jüdisches Zentrum Wiens im Nationalsozialismus, die antisemitische Vertreibungspolitik der Nationalsozialisten in Wien, Anschluss- und Novemberpogrom, Vorbereitungen der Deportationen: "Arisierungen", Sammelwohnungen, NS-Sammellager und die Deportationen der jüdischen Bevölkerung aus Wien im Kontext der Shoah.

Unser besonderer Dank gilt der Zentrumsleitung für die finanzielle Unterstützung dieses Rundgangs.

Organisation: Chantal Niebisch, Fatima Awwad

Besuch von ZTW-Studierenden bei der OSZE

Im Rahmen der VO „Konferenzterminologie und Internationale Organisationen“ fand ein Besuch von Studierenden des ZTW bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa am 2. Mai 2018 statt. Insgesamt 18 TeilnehmerInnen der Lehrveranstaltung bekamen die Möglichkeit, sich diese internationale Organisation vor Ort näher anzusehen. Nach einem Briefing über die Geschichte, Rolle und Tätigkeitsfelder der Organisation durften sie als Gäste einer Sitzung des Forums für Sicherheitskooperation der OSZE beiwohnen, bei der sie den OSZE-DolmetscherInnen direkt bei der Arbeit zuhören konnten. Anschließend gab eine Vertreterin des Sprachendienstes der Organisation noch einen für die Studierenden besonders relevanten Überblick über das Dolmetschen und Übersetzen bei der Organisation am Heldenplatz.

Organisation und Begleitung: Karin Reithofer-Winter

Besuch der Generaldirektorin der GD SCIC

Ein besonders hochrangiger Gast besuchte vor kurzem das Zentrum für Translationswissenschaft: die Generaldirektorin der GD Dolmetschen (SCIC) der EU-Kommission, Dr. Florika Fink-Hooijer, die anlässlich der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung mit der Österreichischen Ratspräsidentschaft in Wien weilte.

An unser Zentrum kam sie in Begleitung des SCIC-Koordinators für die österreichische Ratspräsidentschaft Gerald Dichtl, des Leiters der Vertretung der Kommission in Österreich Jörg Wojahn und deren Sprachbeauftragten Achim Braun sowie einer Vertreterin des Exekutivsekretariats der Österreichischen Präsidentschaft, Fr. Helena Dorfer, die erfreulicherweise auch Absolventin des ZTW ist.

Schon vor Beginn der Veranstaltung, die von ZTW-Studierenden in neun Sprachen gedolmetscht wurde, besuchte Fink-Hooijer die JungdolmetscherInnen in den Kabinen und tauschte sich mit ihnen aus.

Nach einer Begrüßung durch die stellvertretende Zentrumsleiterin Prof. Hanna Risku stellten Prof. Franz Pöchhacker und Prof. Mira Kadric-Scheiber die beiden Dolmetschschwerpunkte im MA-Curriculum des ZTW vor. Prof. Kadric berichtete des Weiteren über den erfolgreichen Universitätslehrgang "Dolmetschen für Gerichte und Behörden" und über das neu eingeworbene Drittmittelforschungsprojekt TransLaw, das sich mit law clinics mit Sprachmittlung befassen wird.

Im Anschluss referierte Dr. Fink-Hooijer über die Generaldirektion Dolmetschen, über das Dolmetschen bei der EU und zukünftige Entwicklungen in diesem Bereich sowie über die Anforderungen beim Aufnahmeverfahren der EU-Institutionen für DolmetscherInnen. Auch in der folgenden Frage-Antwort-Runde erhielten die zahlreich erschienenen Studierenden (und Lehrenden) wertvolle Informationen und Tipps von der Generaldirektorin und vom langjährigen SCIC-Dolmetscher Gerald Dichtl.

Insgesamt zeigten sich alle sehr beeindruckt von der Leistung der Studierenden, die ins Englische, Französische, Italienische, Kroatische, Polnische, Serbische, Spanische, Tschechische und Ungarische gedolmetscht hatten und in dieser echten Dolmetschsituation mit Sicherheit eine einzigartige Erfahrung machen konnten. Das ZTW konnte sich bei den europäischen Gästen erfolgreich als exzellente multilinguale Ausbildungs- und Forschungseinrichtung präsentierten.

Bericht und Organisation: Karin Reithofer-Winter

Eine ZTW-Studentin als Student Ambassador des Europaparlaments in Brüssel

Am 21. Februar 2018 hatte ich die große Ehre, als Student Ambassador einen Einblick in das Geschehen im Europäischen Parlament und dessen Dolmetschdienst zu erhalten. Student Ambassadors sind studentische VertreterInnen der Dolmetschausbildungsstätten aus den EU-Mitgliedstaaten. Sie konnten sich Ende letzten Jahres per Video für diese Position bewerben, indem sie ihre Gründe und Vorschläge bzgl. der angestrebten Vermittlungsposition angegeben hatten. Das Ziel des Treffens war es daher vor allem, in zahlreichen Brainstorming-Sessions die Rolle dieser neugeschaffenen Position festzulegen und herauszufinden, wie die Ambassadors am besten als Bindeglied zwischen dem Parlament und den jeweiligen Dolmetschfakultäten agieren können.

Nach der Ankunft im Parlament gab es als Einstieg eine kurze Präsentation über das Dolmetschen im EP. Anschließend fand eine Networking-Session (Write down one truth and a lie about yourself!) statt, in der wir die Gelegenheit hatten, uns besser kennenzulernen. Nach einer kurzen Kaffeepause ging es dann auch schon direkt in die „stummen“ Kabinen. Wir durften bei einer Anhörung des ITRE-Ausschusses zusehen, in der es um die Überarbeitung der Gas-Richtlinie ging. Sehr interessant war vor allem die hitzige Diskussion, die zwischen den RednerInnen aufkam und verdeutlichte wie wichtig es ist, genau zu wissen, wer die jeweiligen Personen sind, die das Wort ergreifen, sowie deren Standpunkt zu kennen. Es ging in dieser Sitzung vor allem um Kritik an der North-Stream-Pipeline und es war natürlich ohne Vorbereitung sehr kompliziert und fachlich. Unsere Aufgabe war unter anderem, zu sehen, ob dies als mögliches Übungsmaterial für Dolmetschstudierende geeignet wäre. Alle Ausschusssitzungen können online als Original und mit Dolmetschung eingesehen werden. Anschließend konnten wir Student Ambassadors uns in der entspannten Atmosphäre eines Pubs endlich untereinander auszutauschen. Einer der interessantesten Aspekte dabei war, zu hören, wie das Dolmetschstudium an anderen Universitäten organisiert ist, und wie die verschiedenen Abschlussprüfungsmodelle (wir standen alle relativ kurz davor) organisiert werden. Vor allem begeisterte mich, wie oft etwa englische, irische und estnische Universitäten Konferenzen organisieren und dass sich Studierende dort jede Woche in andere aktuelle Themen (Syrien, Nahostkonflikt) einarbeiten müssen. Dafür muss aber angemerkt werden, dass es sehr unterschiedliche Masterprogramme für Konferenzdolmetschen gibt, so etwa auch einjährige, die dann dementsprechend dichter und schulischer aufgebaut sind als zweijährige Master-Modelle.

Am 22. Februar bekamen wir eine Präsentation über Mehrsprachigkeit und diskutierten anschließend in Gruppen über die Zukunft der Ambassador-Kooperation. Dann stand die nächste Kabinenerfahrung im Plenum des Parlaments auf dem Programm. Diesmal ging es um eine Bürgermeisterkonferenz. Diese war weniger technisch, es ging mehr um Themen wie Nachhaltigkeit, weshalb sich die Aufnahmen besser als Übungsmaterial verwenden ließen. Anschließend bekamen wir beim Mittagessen mit den jeweiligen Kabinenchefs (u.a. mit Frau Ramponi für die deutsche Kabine) die Möglichkeit, einen besseren Einblick ins Alltagsleben einer DolmetscherIn zu erlangen. Anschließend fand ein Austausch mit den Newcomern statt, also DolmetscherInnen, die erst kürzlich den Akkreditierungstest bestanden hatten und nun von ihren Erfahrungen und der Arbeit im EP berichteten. Was ich mir davon mitnahm, war auf jeden Fall, dass man nicht so leicht aufgeben sollte und dass es wichtig ist, auch richtig mit der Prüfungssituation umzugehen. Außerdem ist es essentiell, sein Sprachenprofil an den Bedarf anzupassen und eventuell noch weitere Sprachen hinzuzufügen. Anschließend bekamen wir Infos über die Praktikumsmöglichkeiten im Übersetzungsbereich. Zum Beispiel beim Übersetzungsdienst in Luxemburg, der als Karriere-Einstieg gesehen werden kann (Bewerbungsfrist für Oktober von 15. März − 15. Mai). Dann bekamen wir noch ein Beispiel für den Akkreditierungstest zu hören und Tipps, was im Zuge der Bewerbung beachtet werden sollte. Bei einem Nicht-Bestehen sollte man an den von der Jury geäußerten Kritikpunkten arbeiten und es wieder versuchen. Bei Bestehen wird man in eine Liste aufgenommen und sollte versuchen, sich so interessant wie möglich zu machen (Sprachenkombination, Domizil etc.).

Tipps für den Akkreditierungstest:

  • Don’t judge yourself! Dafür ist die Jury da.
  • Achte auf die logischen Links!
  • Gib die Sicht des Sprechers wieder.
  • Sei professionell und merke dir das Feedback der Jury.
  • Sollte das Ergebnis negativ sein, probiere es noch einmal.
  • Es ist schaffbar!

Was haben wir Student Ambassadors vor?

Eine Facebook-Page und ein Blog werden eingerichtet werden, auf denen wir wichtige Infos über das EP und Einblicke in das DolmetscherInnenleben am EP teilen werden (mittels FAQs oder Videos). Weiters werden wir versuchen, uns untereinander zu vernetzen, von anderen Universitäten zu lernen und eventuell interessante Materialen auszutauschen. Außerdem soll der Einstieg in die Dolmetschdienste der EU erleichtert werden, indem der Kontakt zu erfahrenen DolmetscherInnen und JungdolmetscherInnen ermöglicht wird. Dadurch soll vor allem mehr Transparenz geschaffen werden und ein Netzwerk zwischen praktizierenden sowie angehenden DolmetscherInnen entstehen. Außerdem soll auch der Austausch zwischen den Studierenden gefördert werden und als unterstützendes Mittel dienen, gemeinsame Herausforderungen zu meistern. Positiv, anspornend und sehr hilfreich ist diesbezüglich ein Ansatz, der in den Worten von Frau Beate Brehm (DG INTE) wie folgt lautet: „Als Dolmetscher reicht es aus, gut zu sein. Perfektionisten werden in unserem Beruf nicht glücklich.“

Nützliche Links:

EP-Verbindungsperson: Karin Reithofer-Winter

Autorin: Hannah Kaip


Das Translating Europe Forum 2017 aus Sicht einer ZTW-Studentin

„New skills, new markets, new profiles“ war der Titel des diesjährigen Translating Europe Forum von 6. bis 7. November 2017 in Brüssel.

Berufsprofile von TranslatorInnen und Chancen und Risiken von maschineller Übersetzung wurden in einer Podiumsdiskussion u.a. von Alexandra Krause (Universität Wien, EMT) (li. im Bild) und Miguel Sevener (BeatBabel) (re. im Bild) diskutiert.

Neugier ist für TranslatorInnen unabdingbar, so Péter Lepahin (Hunnet Ltd.).

Die alljährlich durchgeführte Umfrage zur Sprachindustrie ergab, dass die ÖsterreicherInnen den Entwicklungen in der Sprachindustrie im kommenden Jahr pessimistisch gegenüberstehen.

Beinahe 500 TeilnehmerInnen aus ganz Europa waren am 6. und 7. November beim sogenannten TEF 2017 mit dabei.

Sarah Reuter (li. im Bild) und Joana Philippa Brandtner (re. im Bild) vom Zentrum der Translationswissenschaft der Universität Wien waren ebenfalls beim Translating Europe Forum 2017 dabei.

Dolmetscherinnen dürfen auch beim Translating Europe Forum 2017 nicht fehlen.

Das Translating Europe Forum 2017 in Brüssel stand im Jahr 2017 im Zeichen von „New skills, new markets, new profiles“ und bot für Interessierte aus allen Bereichen der Translation ein spannendes Programm.

Der Grundtenor, der sich durch alle Sessions zog, war die Betonung des Einflusses von maschineller Übersetzung (MT) auf die Arbeit von TranslatorInnen. Die MT habe bereits Eingang in davor von Humantranslation dominierten Bereichen, wie Finanzservices, Lebenswissenschaften, Verteidigung u.ä., gefunden. Für Špela Vintar (University of Ljubliana) wären Basiskenntnisse im Programmieren in manchen Bereichen für TranslatorInnen bereits unverzichtbar geworden. Jaap Van der Meer (TAUS) merkte außerdem an, dass durch die von MT ausgehenden Veränderungen neue Berufsfelder entstünden und vor allem IngenieurInnen, KorrektorInnen, TranskreatorInnen und DatenanalystInnen in Zukunft exzellente Jobchancen hätten.

Doch nicht nur die ExpertInnen auf der Bühne hatten die Möglichkeit sich einzubringen, denn die Journalistin und Moder­­atorin Jennifer Baker lud die Teilnehmenden des TEF 2017 dazu ein, über Twitter Fotos zu teilen und über die Plattform Sli.do an Umfragen teilzunehmen und Fragen zu stellen, die in Echtzeit an die Leinwand projiziert wurden. Dies trug zu dazu bei, dass alle der über 500 Anwesenden stets aktiv mitwirken konnten und sorgte für eine Minimierung der Distanz zwischen den geladenen ExpertInnen und dem interessierten Publikum.

In einem Young Translators Meet-up, für das es einer speziellen Einladung bedurfte, konnten Studierende und AbsolventInnen bereits etablierten TranslatorInnen konkrete Fragen zu ihrem Werdegang stellen und erhielten wertvolle Tipps und Inspiration für ihre eigene berufliche Zukunft. Dies war eine willkommene Chance für die „nächste Generation“, die dabei ist, auf dem Markt Fuß zu fassen.

Die Fähigkeiten und Eigenschaften, die für TranslatorInnen aktuell am meisten Bedeutung haben, sind laut Alexandra Krause (Universität Wien, European Master’s of Translation), Miguel Sevener (BeatBabel), Juan José Arevalillo (Hermes Traduccuiones y Servicios Lingüístico, European Union of Associations of Translation Companies) und Daniel Gouadec (C13 M Training Center) folgende: „process orientation, modesty, visibility, branding, negotiating, proofreading, post-editing, precision, devotion, team spirit, curiosity, baldness, specialization”.

Auch die Schlagwörter Kreativität und Transkreation tauchten in fast jeder Session auf und bilden den Gegenpol zu MT. Transkreation ist, so die weit verbreitete Meinung beim Translating Europe Forum 2017, die Zukunft für Übersetzung im hochpreisigen Sektor, der, wie immer wieder betont wird, vor allem in risikobehafteten Bereichen zu finden ist.

Außerdem wurden einige Projekte und Studienprogramme vorgestellt, zu denen detaillierte Informationen auf den entsprechenden Webseiten eingesehen werden können: MATIM (Master in Multilingual Communication Technology), DigiLing, ESCO, eTransFair uvm.

Rudy Tirry (President, European Union of Associations of Translation Companies) präsentierte die Ergebnisse der Language Industry Survey 2017, an der sich u.a. Firmen, Freelancer und Universitäten beteiligten. Besonders bemerkenswert war dabei, dass die Befragten aus Österreich angaben, eher pessimistisch in Bezug auf die Entwicklungen des Marktes und der Möglichkeiten zu Expansion und Weiterentwicklung zu sein. Die Language Industry Survey 2018 wird ab Jänner 2018 durchgeführt und Interessierte sind zum Mitmachen eingeladen.

Es ist unbedingt zu erwähnen, dass die Dolmetscherinnen, die ins Deutsche, Französische und Englische dolmetschten, einen großen Beitrag zum Gelingen der Veranstaltung geleistet haben.  

Das TEF 2017 war eine wunderbare Gelegenheit für Vernetzung, Austausch und Diskussion. In den zwei Tagen wurde von den aktuellsten Entwicklungen in einer spannenden und sich stetig und rasantem Tempo verändernden Branche berichtet. Man darf definitiv auf das Translating Europe Forum 2018 gespannt sein!

 

Zitate:

Günther H. Oettinger (European Commissioner for Budget & Human Ressources): „Übersetzung schafft Akzeptanz und Vertrauen bei den Bürgern der EU.“

Peter Flade (Senior Advisor, Gallup): „Translators should take calculated risks, use their strengths and be influencers.”

Miguel Sevener: „Competition is a race to the bottom” Alexandra Krause plädiert an dieser Stelle für Teamgeist und Zusammenarbeit zwischen Praxis und Wissenschaft.

Jaap van der Meer: „We experience a shift from people driven translation to data driven translation. It’s a revolution, not an evolution.”

Autorin: Joana Philippa Brandtner


Unterwegs mit der mobilen ZTW-Flüsteranlage

Virtual Visit der Generaldirektion Dolmetschen der EU-Kommission am ZTW

Am 25. April 2017 fand am ZTW wieder eine Virtual Class mit der GD SCIC der EU-Kommission statt. Diesmal fand im Rahmen der pädagogischen Unterstützung des Dolmetschdienstes ein sogenannter Virtual Visit statt. Über eine Videokonferenzschaltung nahm eine SCIC-Beamtin der deutschen Kabine einen Vormittag lang an der Block-Lehrveranstaltung Basiskompetenz Translation B - Dolmetschen unter der Leitung von Karin Reithofer-Winter teil.

Einerseits bekamen die Studierenden Feedback aus Brüssel zu ihren Leistungen in dieser sprachübergreifenden Einführungslehrveranstaltung, andererseits hatten sie auch die Möglichkeit, Fragen zur Arbeit bei der EU zu stellen. Die Studierenden nutzten diese Chance und erhielten wertvolle Einblicke in die Anforderungen an EU-DolmetscherInnen.

Studienreise zur Europäischen Kommission - ZTW@EC 2017

Die ZTW-Gruppe im Rat

Im neuen Europa-Gebäude des Rates

Eine Handvoll ausgewählter Master-Studierender hatte im Jänner 2017 die Chance, die Generaldirektion Dolmetschen der Europäischen Kommission in Brüssel zu besuchen. Während des dreitägigen Studienaufenthaltes durchliefen wir ein dichtes Programm:

Bei der Ankunft in der GD Dolmetschen wurden wir herzlich begrüßt und alle mit einem persönlichen Namensschild ausgestattet, wie sie auch die Mitglieder der Arbeitsgruppen der EC bekommen. Nach einem kurzen Kennenlernen ging es dann auch schon los und wir wurden mit Informationen regelrecht überhäuft – angefangen bei der Vorstellung der beiden GDs Dolmetschen (SCIC und INTE) über ausführliche Informationen zum Akkreditierungstest für DolmetscherInnen bis hin zu einer Videokonferenz mit einer Dolmetscherin des EuGHs und der Vorbereitung auf das Dolmetschen in der stummen Kabine am folgenden Tag. In den Kaffeepausen tauschten wir uns mit der zweiten Gruppe, Studierende aus Leipzig, über unser Studium aus und beim Mittagessen konnten wir mit weiteren Dolmetscherinnen der deutschen Kabine plaudern. Trotz ihrer prestigereichen Arbeit waren alle Dolmetscherinnen sehr zugänglich und aufgeschlossen, erzählten von ihrem Arbeitsalltag und beantworteten geduldig all unsere Fragen zum Akkreditierungstest.

Am folgenden Tag ging es ans Eingemachte – wir durften eine Ministerratssitzung zum Thema Verkehrssicherheit dolmetschen. Ohne eingeschaltetes Mikrofon, versteht sich, doch unserer Nervosität tat das trotzdem keinen Abbruch. Die Sitzung fand im nagelneuen Europa-Gebäude statt, dessen Fassade aus über 3.000 recycelten Fenstern aus ganz Europa besteht. Aber auch innen glänzt es, denn in den Dolmetschkabinen mit jeweils 4 Plätzen gibt es selbstverständlich die neuesten Konsolen sowie zwei Bildschirme, um das Geschehen besser verfolgen zu können, und selbst die Temperatur kann individuell geregelt werden. Wenn das kein Anreiz ist …

Wir verbrachten den ganzen Tag vor den Mikros, dolmetschten ins Deutsche, aus dem Deutschen und aus dem Relais bis uns die Köpfe rauchten. Dolmetscherinnen aus der deutschen Kabine setzten sich immer wieder zu uns und gaben uns konstruktives Feedback zu unseren Dolmetschungen, natürlich mit Augenmerk auf die Hürde, die uns am nächsten Tag bevorstand.

Die wenigen freien Abendstunden nutzten wir selbstverständlich zu obligatorischem Sightseeing und der Jagd nach den besten Waffeln der Stadt.

Gut gestärkt nahmen wir am dritten Tag den Mock Test, einen Probe-Akkreditierungstest, in Angriff. Wir konnten in gestellten Konsekutiv- und Simultanprüfungssituationen unser Dolmetschkönnen unter Beweis stellen und beeindruckten die anwesenden PrüferInnen durchaus mit unseren Leistungen.

Alles in allem war diese Reise natürlich eine tolle Gelegenheit, uns untereinander besser kennenzulernen, aber vor allem hat sie uns gezeigt, dass wir gar nicht so große Angst vor der Arbeit für die EU bzw. dem Akkreditierungstest haben müssen, denn am Ende des Tages sind auch die DolmetscherInnen und PrüferInnen nur Menschen. Also, traut euch!

 

Begleitung: Bettina Coll

Organisation: Karin Reithofer-Winter

Autorin: Martina Tampir


Virtual Class mit der Generaldirektion Dolmetschen der EU-Kommission am ZTW

Am 19. Jänner 2017 fand am Zentrum für Translationswissenschaft die erste Virtual Class mit der GD SCIC der EU-Kommission statt. Im Rahmen der pädagogischen Unterstützung des Dolmetschdienstes wurde über eine Videokonferenzschaltung ein Akkreditierungstest für freiberufliche DolmetscherInnen bei der EU nachgestellt. Mit insgesamt sechs KollegInnen als Jury und RednerInnen der GD SCIC wurde ein Test simuliert, bei dem Studentinnen des ZTW als Kandidatinnen antraten. 

Insgesamt vier Teilprüfungen KONS (2x EN>DE, 2x FR>DE) wurden nachgestellt. Das Interessanteste und Lehrreichste war wohl, dass jeder Leistung eine sehr ausführliche Diskussion der SCIC-KollegInnen über die Beurteilung folgte, die normalerweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, aber von uns live verfolgt werden konnte.

Die Studierenden und Lehrenden (Fatima Awwad, Gregorz Gugulski, Cinzia Hirschvogl, Organisation: Karin Reithofer-Winter) bekamen so einen einzigartigen Einblick in die Bewertungskriterien beim Aufnahmetest beim SCIC.

Im Sommersemester wird es wieder eine Virtual Class geben.


Eindrücke von ZTW-Studierenden vom Translating Europe Forum 2016 in Brüssel

Vom 26. bis 28. Oktober veranstaltete die Europäische Kommission in Brüssel bereits zum dritten Mal das Translating Europe Forum zum Thema Übersetzung und Technologie. Unter 600 TeilnehmerInnen befanden sich nicht nur VertreterInnen der EU- und nationalen Organisationen, Universitätslehrende und Studierende des Faches, sondern auch ÜbersetzerInnen aus ganz Europa sowie Unternehmen aus der IT-Branche. Auch der Lehrstuhl des ZTWs war hoch vertreten durch Prof. Dr. Alexandra Krause, ZTW-Repräsentantin des European Master Translation sowie durch Herrn Prof. Dr. Gerhard Budin, der auch einer der Vortagenden war. Insgesamt gab es 16 Vorträge und Workshops, die von 54 Vortragenden gestalten waren mit dem Ziel, das Bedürfnis nach Zusammenarbeit von Mensch und Maschine hervorzuheben.

Nach einem netten Empfang verteilten sich die TeilnehmerInnen auf drei Konferenzräume, um sich den Vortrag zu dem für sie am spannendsten Thema anzuhören. Es gab stets die Möglichkeit, sich aktiv zu beteiligen, Fragen zu stellen und seine eigene Sicht zu äußern. Zwischen einzelnen Veranstaltungen konnte man sich in Kaffeepausen mit KollegInnen austauschen und neue Kontakte knüpfen. Dies war nicht nur eine gute Gelegenheit, um etwas Neues über unsere Branche zu lernen, sondern auch mehr über die Vorhaben der IT-Unternehmen in Zusammenhang mit der Gestaltung der maschinellen Übersetzung zu erfahren.   

Am Ende des ersten Tages begrüßte der Generaldirektor der DG Translation, Rytis Martikonis, die Studierenden zu einem Treffen, bei dem es besonders darum ging, Erfahrungen mit und Erwartungen an das EMT-Programm zu teilen. In Rahmen einer aktiven Diskussion wurde klar, dass die Einführung eines Pflichtpraktikums ins Curriculum eine große Bedeutung für die zukünftige Berufsausübung hat.

Dieser Abend war für uns beide ein Highlight, da wir uns von den Organisatoren sehr willkommen fühlten, besonders von Herrn Martikonis Einladung, sich für uns Studierende so viel Zeit wie nötig zu nehmen.  

Was wir aus dieser Konferenz mitnehmen, ist die Gewissheit über die ständige Veränderung unseres Berufes, vor allem in Hinsicht auf die Technologien. Somit wurde uns bewusst, dass maschinelle Übersetzung nicht Zukunft, sondern bereits unsere Gegenwart ist. Folglich sollte man sich schon im Studium früh genug in CAT-Tools einarbeiten und gegenüber kommenden Neuerungen aufgeschlossen sein. Somit wäre es zum Beispiel sinnvoll, während des Studiums kostenlose CAT-Tool-Lizenzen für den eigenen Gebrauch zur Verfügung zu stellen, damit Studierende später im Beruf schon mit dem jeweiligen Programm vertraut sind und sich für die weitere Nutzung entscheiden.  

Wir sind froh, als Studierende des ZTW an der Konferenz teilgenommen zu haben und für uns die Aufgeschlossenheit gegenüber maschineller Übersetzung gewonnen zu haben – auch wenn wir davon überzeugt sind, dass ein Mensch nie mit einer Maschine ersetzt werden kann. Daher, liebe ZTW-Studierende, übersetzt brav weiter und habt ein offenes Auge für neue Technologien. 

Autorinnen: Borbála Eke und Sandra Pasarić