Leichte Sprache

© Maria Hollunder

Leichte Sprache ist eine vereinfachte Version der Standardsprache, bei der einfache Worte, kurze Sätze und eine vereinfachte Textstruktur verwendet werden, um Informationen v.a. für Menschen mit Beeinträchtigungen im Sinne der Barrierefreiheit zugänglich und verständlich zu machen. Übersetzer*innen verwandeln standardsprachliche oder fachsprachliche Texte nach genauen Reglen in Texte in Leichter Sprache.

 

Verena Brinda

  • Expertin für Leichte Sprache, Übersetzerin, Dolmetscherin, Schriftdolmetscherin
  • Abschlussjahr (Mag.a) am ZTW: 2007

Wie bist Du zu dem Job gekommen?      

Ich habe nach 16 Jahren Teilzeitanstellung und Teilzeitselbstständigkeit den Sprung in die reine Selbstständigkeit gewagt und es bisher noch keine Sekunde lange bereut. :)

2020 wollte ich dann, nachdem meine Kinder endlich groß genug waren, wieder einmal eine umfassendere Fortbildung machen.

Das Thema "Leichte Sprache" war mir auch schon ein paar Mal untergekommen und ich fand es sehr spannend: Texte in eine leichter verständliche Sprache zu bringen, damit diese für mehr Menschen zugänglich werden.

Ich habe also 2020 dann eine Ausbildung bei "capito Wien" besucht. Das war eine Präsenzwoche, in denen uns die wichtigen Grundlagen vermittelt wurden. Danach folgten ungefähr zwei Monate mit verschiedenen "Hausübungen", zu denen wir jeweils ausführliches Feedback bekamen. Und dann folgte noch eine Präsenzwoche, in der es dann primär um Barrierefreiheit im weiteren Sinn ging. Die Ausbildung war nicht auf Translator*innen ausgerichtet, wodurch manche Inhalte für mich nicht so wertvoll waren, aber insgesamt habe ich mir dadurch eine sichere Grundlage für meine Tätigkeit als Übersetzerin/Texterin in Leichte/r Sprache schaffen können (Anm.: Mittlerweile wird diese Kompetenz auch am ZTW vermittelt).

Wie sich der Markt in diesem Bereich entwickeln wird, ist natürlich immer die Frage: Derzeit beschäftigen sich hauptsächlich Behörden und öffentliche Einrichtungen damit, dass sie Inhalte auch in Leichter Sprache zur Verfügung stellen, weil sie "müssen", z. B. aufgrund von Gleichbehandlungsgesetzgebung. Es ist aber auch zu erkennen, dass langsam immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie es durch unverständliche Texte womöglich versäumen, einen viel größeren Kreis an Kund*innen anzusprechen. Oder dass manche Dinge auch schlicht unumgänglich werden: Wenn man z. B. an den generellen Fachkräftemangel denkt und Ausbildungsunterlagen, die in für Menschen, die Deutsch als Fremdsprache gelernt haben, nur sehr schwer verständlicher Sprache formuliert sind.

Ich denke also, dass es jedenfalls Potenzial gibt und der Bedarf an Menschen, die Texte in Leichte Sprache übersetzen oder in Leichter Sprache verfassen können, in den nächsten Jahren durchaus steigen wird.

Welche beruflichen Stationen hast Du vorher schon durchlaufen? 

Ich habe 16 Jahre in einer Patentanwaltskanzlei als teilzeitangestellte Übersetzerin gearbeitet.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus?         

Die typische Arbeitswoche gibt es als Freelancerin natürlich nicht so richtig, aber das mag ich auch sehr gerne.

Es ist immer ein bunter Mix aus Dolmetscheinsätzen, Übersetzungen (Deutsch, Englisch, Leichte Sprache), Schriftdolmetscheinsätzen und Lektoratsaufträgen. Jede Woche bringt ein bisschen etwas anderes.

Natürlich schwankt auch das Arbeitsvolumen von Woche zu Woche. An die ruhigeren Wochen musste ich mich zuerst mal gewöhnen, aber ich schaffe es immer besser, auch die gelassen hinzunehmen und sie zum Energie-Tanken für die sehr vollen Wochen zu nutzen, die unweigerlich dann auch wieder folgen.

Tipps für den Berufseinstieg

Die Teilzeitanstellung zu Beginn hat mir natürlich sehr geholfen. Ein fixes Einkommen macht natürlich alles viel entspannter. Das kann ich also, wenn sich die Möglichkeit bietet, sehr empfehlen, um nicht gleich mit super viel Druck zu starten.

Ein weiterer wichtiger Tipp: Netzwerken. Auch Fortbildungen von Berufsverbänden (Universitas) bieten dazu eine gute Möglichkeit – man lernt was dazu und Kolleg*innen kennen. :) Viele Aufträge – gerade am Anfang – habe ich von Kolleg*innen bekommen, die aus irgendwelchen Gründen Aufträge abgeben mussten/wollten. Und wenn man als junge*r Übersetzer*in gut und zuverlässig arbeitet und dann vielleicht auch noch die Sympathie stimmt, entstehen so sehr wertvolle Kontakte!

Für mich sind auch meine mehreren Standbeine sehr hilfreich. So gibt es einfach noch mehr Richtungen, aus denen Aufträge eintrudeln können, als wenn ich mich z. B. darauf beschränken würde, nur als Lautsprachdolmetscherin zu arbeiten.

Und noch ein letzter wichtiger Tipp: Man muss sich auch mal etwas (zu)trauen! Vielleicht auch mal ein bisschen aus der Komfortzone raus – von solchen Aufträgen lernt man nämlich richtig viel (auch über sich selbst)!

 

Weitere Infos:

Österreichischer Verband für Schriftdolmetschen (ÖSDV)

Workshops – capito Wien

UNIVERSITAS Austria –  Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen

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Interview: Oktober 2023